Zusammenfassung der Arbeit

Ausgangspunkt und Problemstellung (Kap. 1.1)

Den Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung bildet die Frage nach der theologischen Einheit des AT: Inwieweit fügt sich die Vielzahl der im AT redenden Stimmen zu einem organischen Ganzen zusammen? Auf welche Weise können in einer theologischen Gesamtdarstellung des AT, einer „AT-Theo­lo­gie“, die verschie­denen Themen so voneinander abgegrenzt und zu einem Ganzen zusammengeordnet werden, dass jeder Einzelaspekt den ihm gebührenden Ort erhält?

Forschungsüberblick (Kap. 1.2)

Zur Strukturierung des Forschungsüberblicks stelle ich die Frage, mit welchen Methoden oder mit welchem Raster die verschiedenen Entwürfe zur AT-Theologie die Gesamtheit des alttestamentlichen Stoffes zu erfassen und wiederzugeben versuchen und inwieweit dies jeweils gelingt.

Es zeigt sich, dass grundsätzlich drei Dimensionen der Stoffstrukturierung zur Ver­fügung stehen, nämlich die systematische, die historische und die literarische. AT-Theologien können danach unterschieden werden, welche der Dimensionen als Grundachse des „theologischen Koordinatensystems“ verwendet wird. Nicht selten kommen allerdings auch zwei oder sogar alle drei Dimensionen zur Anwendung.

  1. Systematisch strukturierte Entwürfe stehen vor dem Problem, nicht gleichzeitig eine logische Abgeschlossenheit und eine vollständige Durchdringung des alttestamentlichen Materials erreichen zu können. Immer wieder problematisch ist vor allem die theologische Integration der Weisheit und des Kultes. Dies gilt sowohl für Ansätze, die ein Raster von außen vorgeben, wie z.B. Theologie – Anthropologie – Soteriologie, als auch für Ansätze, die ihr Raster aus dem AT selbst erheben wollen, etwa in der Form einer „Mitte“. Wird die Theologie in einer losen Folge von Themen präsentiert, entsteht dieses Problem nicht. Allerdings mangelt es dann oft an einer methodischen Rechtfertigung für die Wahl der Themen.
  2. Historisch strukturierte Entwürfe können entweder an der biblischen Geschichts­dar­stel­lung entlang entwickelt werden oder an einer mit Mitteln der historisch-kri­ti­schen Methode rekonstruierten Fassung. Wird der zweite Weg gegangen, ergeben sich komplexe hermeneutische Fragestellungen zum Verhältnis von Glaube und Geschichte. Dahinter steht als Grundproblem, dass die historisch-kritische Methode mit dem Handeln Gottes in der Geschichte nicht angemessen umzugehen vermag. Für Entwürfe, die sich an der biblischen Selbstdarstellung der Geschichte orientieren, stellen vor allem die nicht-historiographischen Bücher ein Problem dar. Diese müssen um der Erfüllung des Rasters willen historisch eingeordnet werden, ohne dass sich daraus substantielle hermeneutische Implikationen ergäben.
  3. Mit der literarischen Dimension zu arbeiten bedeutet grundsätzlich, literarische Einheiten des Alten Testaments zum Gegenstand der Untersuchung zu machen und diese mit angemessenen literaturwissenschaftlichen Methoden zu interpretieren.

Nach M. Sternberg werden in den biblischen Texten drei verschiedene Interessen verfolgt und auf kunstvolle Weise miteinander verwoben, nämlich ein ideologisches, ein historiographisches und ein ästhetisches Interesse. So formen z.B. viele Texte Geschichte zu einer Erzählung, aus der sich eine Botschaft für den Glauben ergibt. Dies bedeutet, dass für die Erforschung alttestamentlicher Texte prinzipiell alle drei der eingangs genannten Dimensionen zu berücksichtigen sind und für die Frage nach der Botschaft speziell das Verhältnis von Inhalt und literarischer Form der einzelnen Bücher.

Wie können aber die Botschaften der einzelnen Bücher in eine Gesamtdarstellung vereinigt werden? Hinweise dafür, dass das AT nicht nur eine Sammlung von literarischen Einheiten ist, sondern auch insgesamt als literarische Einheit betrachtet werden kann, liefern neuere Erkenntnisse im Bereich der kanonischen Schriftauslegung: Verschiedene Ausleger beobachten im Kanon, speziell in der Form, wie er in der Hebräischen Bibel vorliegt (TNK-Struktur), makrostrukturelle Merkmale, etwa kanonische Abschlussphänomene oder die literarisch-theo­lo­gi­sche Zusammengehörigkeit von Buchgruppen und Kanonteilen.

Methode (Kap. 1.3.1, 1.3.3, 1.3.6)

In der Fluchtlinie der oben beschriebenen aktuellen Entwicklungen aus den Bereichen „AT-Theologie“ und „kanonische Schriftauslegung“ steht der von mir vertretene und mit H. Koorevaar als strukturell-kanonisch bezeichnete Ansatz. Er geht davon aus, dass der Aufbau der Hebräischen Bibel hermeneutisch signifikant ist. Dies bedeutet, dass der theologische Ort eines jeden Buches aus seinem literarischen Ort im Kanon abgeleitet werden kann; die Struktur des Kanons wird zum Schlüssel für die Entwicklung eines organischen Gesamtgefüges der alttestamentlichen Botschaft. Damit bietet der strukturell-kanonische Ansatz eine neue Perspektive für die Aufgabe einer theologischen Gesamtdarstellung des AT.

  1. Der Ansatz ist insofern kanonisch, als er den biblischen Text im Sinne seines Trägerkreises auslegt, nämlich der nachexilischen bzw. frühjüdischen community of faith als realer bzw. intendierter Leserschaft. Nicht historisch-genetische Rekonstruktionen, sondern die aus der kanonischen Endgestalt der einzelnen Bücher in synchroner Leseweise erhobenen Botschaften bilden die Bausteine der Theologie.
  2. Strukturell bedeutet, dass die biblischen Bücher nicht als Materialsammlungen anzusehen sind, die auf mögliche Glaubenssätze hin zu durchforsten wären, sondern als literarische Ganze mit bestimmten theologischen Aussageabsichten, die durch ein sorgsames Nachvollziehen des textlichen Gesamtverlaufs erkannt werden können. Mit anderen Worten: Um die Gesamtbotschaft eines Buches erfassen zu können, ist es wichtig, seinen Aufbau zu verstehen. Eine Struktur zu erkennen bedeutet nachzuvollziehen, wie sich die einzelnen Aspekte eines Textes zu einem gedanklichen Ganzen zusammenfügen.
  3. Die Kombination strukturell-kanonisch weist zusätzlich auf die Bedeutung der kanonischen Makrostruktur als hermeneutischem Schlüssel zur Integration der buchweise erarbeiteten Botschaften in eine Gesamtstruktur alttestamentlicher Botschaft.

Die strukturell-kanonische Untersuchung kann um Studien ergänzt werden, bei denen Einzelthemen longitudinal durch die einzelnen Bücher und Buchgruppen verfolgt werden.

Zur Frage der zu Grunde gelegten Buchreihenfolge (Kap. 1.3.2)

Dass der Reihenfolge von Büchern im Kanon Bedeutung zugemessen wird, ist schon vom Standpunkt der Rezeptionsseite her gerechtfertigt: Es ist davon auszugehen, dass Kontext, gleich welcher Art, die Rezeption eines Textes mitbestimmt. Ein literarischer Kontext weckt bestimmte Erwartungen, er kanalisiert die Wahrnehmung; bestimmte Gedankengänge werden vorgebahnt.

Vom Standpunkt der Produktionsseite her ist zudem unstrittig, dass in der Bibel über die einzelnen Bücher hinausgehende größere intendierte literarische und thematische Zusammenhänge vorhanden sind, etwa in der Buchgruppe von Gen-Kö. Auch in anderen Bereichen legt sich dies nahe, nämlich bei den Prophetenbüchern, bei den Weisheitsbüchern oder bei der Chronik als „kanonischem Abschlussphänomen“. Dies gibt zu der berechtigten Erwartung Anlass, makrostrukturelle Zusammenhänge auch an den übrigen Stellen zu finden.

Die strukturell-kanonische Methode benötigt eine feste Buchreihenfolge zum Ausgangspunkt. Es muss darüber reflektiert werden, welche der historisch belegten Kanonanordnungen für die Aufgabenstellung geeignet ist. Ich entscheide mich für die Anordnung der Ketuvim nach dem babylonischen Talmud (Traktat bab. Baba Bathra 14b). Damit wird nicht beansprucht, die einzig mögliche Entscheidung getroffen zu haben. Eine Legitimation ergibt sich vielmehr auf drei unterschiedlichen Ebenen: Die Reihenfolge nach bBB 14b ist es wert, auf ihre hermeneutischen Implikationen hin zu untersucht werden, …

  1. … weil sie wie jede Reihenfolge als eine spezielle Art von Kontext die Rezeption des Textes mitbestimmt;
  2. … weil sie durch die jüdischen Rabbanan autorisiert und von hohem Alter ist, weil sie mit frühen Belegen zur Kanongestalt kompatibel ist (Sirachprolog; Megillot noch nicht gruppiert) und weil sie in Einklang mit dem steht, was die interne Evidenz der Hebräischen Bibel erwarten lässt (z.B. Endstellung der Chronik);
  3. … weil sie einer der besten Kandidaten für eine ursprüngliche intendierte Anordnung des Hebräischen Bibelkanons ist – falls es eine solche je gegeben hat.

Methodische Überlegungen zur Arbeit mit Strukturen (Kap. 1.3.4)

Weil die Arbeit mit literarischen Strukturen und deren konturierender Wirkung auf die Textfläche für den strukturell-kanonischen Ansatz besondere Bedeutung hat, gleichzeitig aber in der Forschung Strukturanalysen nicht immer in befriedigender Weise gehandhabt werden, bespreche ich diesbezügliche methodische Überlegungen in einem eigenen Abschnitt. Ich gehe davon aus, dass ein Autor, wenn er sich seinen Lesern verständlich machen will, einen Text nicht völlig beliebig ge­stal­ten kann, sondern zu einem bestimmten Grad an literarische und kulturelle Konventionen sowie an gewisse Grundsätze menschlicher Rationalität gebunden ist. Auf dieser Grundlage lassen sich Kriterien entwickeln, mit denen es möglich ist, Strukturvorschläge, die von Rezipienten zu einem Text gemacht werden, auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen. Ich formuliere sechs „Prüfsteine gegen strukturellen Wildwuchs“:

  1. Die angenommene Struktur soll hermeneutisch signifikant sein.
  2. Kriterien zur Strukturbildung sollen nachvollziehbar, relevant im Sinne des Textes, konsistent und schlüssig sein.
  3. Innerhalb eines Buches sollen Strukturen von oben nach unten entwickelt werden, d.h. von den übergeordneten zu den untergeordneten Gliederungsebenen.
  4. Der Text soll flächendeckend in die Interpretation einbezogen sein.
  5. Die angenommene Struktur soll den Erwartungen und Möglichkeiten des „intendierten Lesers“ entsprechen.
  6. Die angenommene Struktur soll den Text besser und einfacher erklären als mögliche Alternativen.

Die Buchreihenfolge der Ketuvim nach bab. Baba Bathra 14b: ihre Bedeutung im Vergleich mit anderen Reihenfolgen (Kap. 2)

In Kap. 2 trage ich verschiedene Argumente zusammen, die die Bedeutung der Buchreihenfolge von Baba Bathra 14b untermauern. So ergibt der Vergleich zwischen der „hebräischen“ und der „griechischen“ Kanonstruktur, dass von internen Kriterien her der ersteren der Vorzug zu geben ist. Innerhalb der jüdischen Tradition ist außerdem – trotz der Tatsache, dass für die Anordnung der Ketuvim viele Varianten vorliegen – der Beleg von Baba Bathra 14b von übergeordneter Bedeutung. Von ihm aus lässt sich auch das Verständnis der verschiedenen Varianten erhellen. Außerdem wird der These eines noch bis in christliche Zeit hinein offenen alttestamentlichen Kanons widersprochen, und ein möglicher Kanonabschluss in der Makkabäerzeit oder in der persischen Zeit wird diskutiert. Die Ausführungen zeigen: Wenn es eine ursprüngliche intendierte Anordnung der Ketuvim gab, dann ist Baba Bathra 14b auf jeden Fall einer der Kandidaten mit den größten Erfolgschancen.

Aufbau und Botschaft der einzelnen Bücher der Ketuvim (Kap. 3.3)

Im Hauptteil der Arbeit analysiere ich zunächst die Ketuvim Buch für Buch, indem ich jeweils die Botschaft aus einer Zusammenschau von Formen und Inhalten erarbeite. Dies hier jeweils zusammenzufassend darzustellen ist aus Platzgründen nicht möglich. Stattdessen folgen einige thesenartig formulierte Sätze zu jedem der elf Bücher:

  • Dass Gottes Güte im Handeln von Menschen Gestalt gewinnt, zeigt im Buch Rutha. die Gegenüberstellung der Zentralverse der beiden inneren Struktureinheiten (2 12 und 3 9, Verbindungswort @n“K‘ Flügel). Anfang und Ende des Buches, die oft literarkritisch ausgeschieden werden, stellen Richterzeit und Davidszeit einander gegenüber und deuten damit an, dass sich die Erlösungsthematik von der familiären auf die nationale Ebene ausweitet.
  • Der Psalter ist nicht eine bloße Sammlung von Liedern, sondern vielmehr ein in sich strukturiertes Buch göttlicher Weisung, mit dem der betende Leser die Geschichte des Königreiches Gottes von der Einsetzung Davids bis hin zu Gottes endzeitlicher Weltherrschaft nachvollziehen und auf sein eigenes Leben übertragen kann.
  • Die Antwort auf die Problemstellung des Hiobbuches ist in der Gottesrede zu suchen und zu finden (nicht etwa in der Himmelsszene des Prologs).
  • Im Sprüchebuch bildet der rhetorisch durchformulierte Abschnitt Kap. 1-9 die theologische Grundlage, auf der die anderen sechs Hauptteile des Buches zu verstehen sind.
  • Das Predigerbuch ist keine Sentenzensammlung, sondern ein literarisches Ganzes, das aus drei in sich konzentrisch aufgebauten Einheiten 1 3 – 3 9,
    3 10 – 8 17 und 9 1 – 12 7
  • Das Hohelied ist ebenfalls kein „Liederstrauß“, sondern eine durchdachte Komposition von fünf zueinander parallel aufgebauten Zyklen, nach dem Muster „sie verlangt nach ihm – sie sieht ihn kommen und preist ihn – er preist ihre Schönheit und verlangt nach ihr – sie lädt ihn ein“.
  • Das zentral stehende dritte Kapitel der Klagelieder öffnet das Buch dahingehend, dass es auch über die Erinnerung an die historische Zerstörung Jerusalems hinaus für die Glaubensgemeinschaft von Relevanz ist.
  • Im Danielbuch sind die Kapitel 2 bis 7 und 7 bis 12 jeweils konzentrisch angeordnet, wobei Kap. 7 eine Scharnierfunktion zwischen den beiden Teilen zukommt.
  • Das Thema des Estherbuches „Das Los wendet sich“ wird durch einen kon­zentrischen Aufbau des mittleren Hauptteils mit einer konsequent antithetischen Gegenüberstellung der Abschnitte unterstrichen. Dies gilt mit Ausnahme des Dialogs Esther – Mor­de­chai in 4 1-17, der in sich eine Umkehrung beschreibt (und der die theologische Kernstelle 4 14 enthält), von der Umkehrung der Verhältnisse in der persischen Welt aber nicht betroffen ist.
  • In Esra-Nehemia werden die Missionen unter Serubbabel (Esr 1-6), Esra (Esr 7‑10) und Nehemia (Neh 1-6) zunächst für sich dargestellt, während in Neh 7-12 Elemente aller drei Missionen zu einer konzentrisch aufgebauten Gesamtschau vereint sind mit dem Ziel, hinter den einzelnen historisch-par­ti­ku­la­ren Restaurationsbemühungen das größere Ganze der von Gott veranlassten Wiederherstellung Judas sichtbar zu machen.
  • Die Chronik stellt die davidisch-sa­lo­mo­ni­sche Zeit mit den beiden Schwerpunkten „Haus Davids“ und „Haus Gottes“ (Gottesherrschaft und Gottesgemeinschaft) als normative Epoche dar, an der sich die auf das Kyrusedikt hin Heimgekehrten orientieren sollen.

Aufbau und Botschaft des Kanonteils Ketuvim nach der Buchreihenfolge von bab. Baba Bathra 14b (Kap. 3.4)

Die Reihenfolge der Ketuvim nach Baba Bathra 14b ist:

Ruth – Psalmen – Hiob – Sprüche – Prediger – Hoheslied – Klagelieder – Daniel – Esther – Esra-Nehemia – Chronik

Um den Gesamtaufbau des Kanonteils zu erarbeiten, suche ich nach Beziehungen zwischen den für die einzelnen Bücher erarbeiteten zentralen Botschaften. Es ergibt sich eine weisheitliche Reihe Hi–Spr–Pred–Hld, bei der Hi als Vorbereitung, Spr als Grundlegung, Pred als Erweiterung und das Hld als Schluss- und Höhepunkt angesehen werden kann, sowie eine national-his­to­ri­sche Reihe Klg–Dan–Est–EsrNeh, die einen Bogen vom Beginn des Exils über das Leben unter der Fremdherrschaft bis hin zur Restauration spannt. Beide Reihen beginnen mit Leid und enden mit Freude. Einen Rahmen um die Reihen bilden die Bücher Ps und Chr, die beiden historisch und theologisch umfassenden Werke der Ketuvim, die in ihren zentralen Themen eng beieinander liegen. Vor diesem Rahmen steht das Buch Ruth, das sich u.a. wegen seiner Hinführung auf David gut als Einleitung in die Gruppe eignet.

  • Hinführung: Ruth
  • Hauptbotschaft I: Ps
  • Weisheitliche Reihe von Leid zu Freude: Hi – Spr – Pred – Hld
  • National-historische Reihe von Leid zu Freude: Klg – Dan – Est – EsrNeh
  • Hauptbotschaft II: Chr

Die Gesamtbotschaft der Ketuvim kann von Ps und Chr her kurz auf „zwei Häuser“ und „zwei Wege“ zugespitzt werden:

Gottes Handeln symbolisiert in zwei Häusern:

  • das Haus der Herrschaft Gottes: Haus Davids (Königtum) – Gottes Herrschaftsanspruch
  • das Haus der Gemeinschaft mit Gott: Haus Gottes (Tempel) – Gottes Gemeinschaftszuspruch

Die Antwort des Menschen symbolisiert in zwei Wegen:

  • der Weg des Frommen zu Gott hin
  • der Weg des Gottlosen von Gott weg

Die weisheitliche Reihe beschreibt den Weg des Einzelnen mit Gott, in einer Entwicklung von Leid zu Freude, die national-historische Reihe den Weg des Volkes, ebenfalls in einer Entwicklung von Leid zu Freude.

Die Ketuvim und die weisheitlich-schriftgelehrte Sichtweise (Kap. 4.3)

Zur Charakterisierung der drei Kanonteile werden in der Forschung gelegentlich die drei Personengruppen Priester, Propheten und Weise angeführt. Ich argumentiere dafür, dass für die Ketuvim tatsächlich eine weisheitlich-schriftgelehrte Sicht­weise charakteristisch ist, die vor allem an ihrem indirekten Zugang zur Gotteserkenntnis (durch Beobachtung von Natur und Gesellschaft, durch Schriftbezug) erkannt werden kann, an dem sie sich deutlich von den beiden anderen Kanonteilen unterscheidet. Auch andere Aspekte des Phänomens „Weisheit“ treten in den Ketuvim gehäuft auf.

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