Zum Ansatz der Arbeit

Inwieweit können die verschiedenartigen Inhalte des Alten Testaments in einer schlüssigen theologischen Gesamtdarstellung vereint werden, so dass jeder Einzelaspekt den ihm gebührenden Ort erhält?

In dieser Arbeit, die in der Fluchtlinie aktueller Entwicklungen in den Bereichen „AT-Theologie“ und „kanonische Schriftauslegung“ steht, wird davon ausgegangen, dass die Lösung für die Fragestellung nicht in einem systematischen oder historisch-genetischen Ansatz zu finden ist, sondern von einer literarischen Betrachtungsweise her. Der verwendete Ansatz wird als „strukturell-kanonisch“ bezeichnet.

Kanonisch meint dabei, dass die biblischen Texte in ihrer Endgestalt und im Sinne der realen bzw. intendierten Glaubensgemeinschaft ausgelegt werden.

Strukturell meint, dass die biblischen Bücher als literarische Ganze mit bestimmten theologischen Aussageabsichten angesehen werden (und nicht etwa als theologische Materialsammlungen), die durch ein sorgsames Nachvollziehen des textlichen Gesamtverlaufs und des Zusammenwirkens von Form und Inhalt erkannt werden können.

Die Kombination strukturell-kanonisch schließlich steht für die Ansicht, dass die Struktur des hebräischen Kanons hermeneutisch signifikant ist, insofern als sie mit dem Ort eines jeden Buches im literarischen Gesamtgefüge auch dessen Ort im theologischen Gesamtgefüge vorgibt.

In dieser Arbeit wird der strukturell-kanonische Ansatz methodisch entwickelt und auf den Kanonteil Ketuvim der Hebräischen Bibel angewendet. Die Arbeit bietet neben einer strukturell-kanonischen Interpretation der elf Bücher auch eine Gesamtinterpretation des Kanonteils Ketuvim als literarisch-theologischer Makroeinheit der Hebräischen Bibel.

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